Film und Musik im Fachverband – Ein Paradigmenwechsel!

Mission Statements des Obmann-Stellvertreters Georg Tomandl zur Interessenvertretung der Musikwirtschaft im Fachverband

Die musikproduzierende Szene hat in Österreich über viele Jahre nur eine bescheidene Lebensgrundlage gefunden und sich primär über Selbstzerfleischung definiert. Ein professionelles Lobbying und gezielte gemeinsame Aktivitäten über die einzelnen „Departments“ der Musikwirtschaft hinweg – vom Interpreten über das Tonstudio bis zum Label/ ob Independent oder Major bis zu den Vertriebskanälen - hat mit wenigen Ausnahmen (Messeunterstützung bei POPKOM und MIDEM) kaum stattgefunden.

Die letzten 5 Jahre haben hier bedeutende Änderungen mit sich gebracht. Nicht zu Unrecht heißt der Fachverband nun nicht mehr „Audiovisions- und Filmindustrie“ sondern "Fachverband der Film- und Musikindustrie", was dem Paradigmenwechsel zu Gunsten einer effektiven Interessenvertretung für die Musikwirtschaft und der in ihr kreativ Tätigen deutlich unterstreicht. Begonnen hat es mit den Initiativen zur Schaffung des österreichischen Musikfonds 2004, die 2005 zu seiner Gründung geführt haben und bei der erstmals in einer europaweit einzigartigen Public Private Partnership-Modell zwischen dem Bund und den musikrelevanten Verwertungsgesellschaften und dem Fachverband ein Produktionsfonds für österreichische Musik geschaffen wurde.

Damit ist auch erreicht worden, dass eine Vielzahl junger österreichischer Bands und Künstler, vor allem des Popmusikbereichs, an die Öffentlichkeit gebracht und sichtbar werden können und zugleich die Labels eine größere Auswahl an konkurrenzfähigen Produkten haben. An der Gründung von AMAN, einer gemeinsamen Initiative von (vorwiegend) Independent Labels zur Steuerung ihrer Auslandsaktivitäten war der Fachverband wesentlich beteiligt.

Zuletzt haben im Dezember 2009 nahezu 2-jährige Verhandlungen zur Schaffung einer Musikquote im ORF zu einem historischen Erfolg geführt: Die Musikquote ist mit der Unterschrift des ORFGeneraldirektor Wrabetz und aller relevanten, sich unter dem Dach von SOS-Musikland gebildet habenden Musikinteressenvertretungen Wirklichkeit geworden.

Weiters haben wir Aktivitäten im Exportbereich zusammen mit der Außenwirtschaftsorganisation in Angriff genommen – dazu gehören gemeinsame Finanzierungen, Präsentationen wie die Austria Musik Box und vor allem die anlaufende Diskussion um die Schaffung eines weiteren Förderungsmodells. Letztlich soll dieses in ein umfassendes Musikstandortsicherungsgesetz münden, womit die bestehenden Aktivitäten auf ein sicheres, nachhaltiges Fundament gestellt und inhaltlich ausgeweitet würden. Zu dieser inhaltlichen Ausweitung gehört sowohl der Bereich Exportförderung, der Ausbau des budgetär an seine Grenzen stoßenden Produktions- und Toursupportförderungssystems im Österreichischen Musikfonds und ein effektives Vermarktungs- und Vertriebsförderungsmodell.

Wir wissen, dass wir uns damit ein großes Ziel gesteckt haben und dass eine Weiterentwicklung auch im Hinblick auf die aktuellen Budgetprobleme schwierig sein wird. Andererseits hat nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern vor allem die ökonomischen Änderungen in wesentlicher Marktsegmenten – Stichwort: Rückgang der CD-Verkäufe, Musikpiraterie, unbefriedigender Download- und Streamingerlöse – die Musikwirtschaft wirtschaftlich schwer erwischt und damit die ohnehin fragile österreichische Musikszene de facto an den Rand ihrer Existenz gebracht. Will sich Österreich weiterhin österreichische Musik leisten, wird es notwendig sein, Rahmenbedingungen zu schaffen und diese schwierige Übergangsphase bis hin zur Entwicklung neuer Marktmodelle entsprechend
strukturell abzustützen.

Dazu haben wir nicht nur den Ausschuss Musikwirtschaft gegründet, der im Übrigen „grenzüberschreitend“ über die Mitglieder des Fachverbandes hinaus Menschen einbindet, die die die gemeinsamen Zielsetzungen mittragen, sondern nun neu seit August 2010 auch einen Ausschuss der Tonstudios geschaffen, der sich mit spezifischen Problemen dieser Branche auseinandersetzen wird.

Im Fachverband haben wir nach relativ kurzer Zeit einige wesentliche Fortschritte erreicht – einiges davon wird nun nach einigen Jahren schon als selbstverständlich angenommen und muss immer wieder neu seine Effizienz und Tragfähigkeit innerhalb der Musikwirtschaft evaluieren und beweisen. Das arbeitsintensive Engagement im Fachverband beginnt also Früchte zu tragen, Resentiments zwischen Indies vs. Majors, Schlager vs. Pop vs. World Music vs. E-Musik und traditionelle "Hasslieben" zwischen Interessenverbänden der Musikwirtschaft treten glücklicherweise mehr und mehr hinter der Gewissheit zurück, dass die Musikwirtschaft und ihre Kreativen gemeinsam vieles erreichen können, worüber Jahrzehnte davor erfolglos lamentiert wurde. Daran arbeiten wir weiter!

Georg Tomandl
Obmann-Stellvertreter